Bank- & Ka­pi­tal­markt­recht

28.09.2011 11:09 von RA Lutz Sta­der

BGH weist Scha­dens­er­satz­kla­gen von Leh­man-Ge­schä­d­ig­ten ab

In sei­nem Ur­teil vom 27.09.2011 hat der XI. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) erst­mals über Scha­dens­er­satz­kla­gen von An­le­gern im Zu­sam­men­hang mit Leh­man-Zer­tif­ka­ten ent­schie­den und die Kla­gen ab­ge­wie­sen.

 

S A C H V E R H A L T:

In dem ers­ten Fall hat­te der An­le­ger im Jah­re 2006 auf Emp­feh­lung ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Ham­bur­ger Spar­kas­se (Ha­S­pa) in ei­ne An­lei­he der nie­der­län­di­schen Toch­ter­ge­sell­schaft der US-ame­ri­ka­ni­schen Leh­man-Bro­thers im Wert von 10.000 € in­ves­tiert. In der Paral­lel­sa­che in­ves­tier­te ein wei­te­rer An­le­ger im Ok­tober 2007 eben­falls 10.000 € auf An­ra­ten der sel­ben Mit­ar­bei­te­rin in ei­ne An­lei­he der nie­der­län­di­schen Toch­ter­ge­sell­schaft. In bei­den Fäl­len wur­de die Rück­zah­lung der An­lei­he von der US-ame­ri­ka­ni­schen Leh­man-Bro­thers ga­ran­tiert. Sch­lech­tes­ten­falls soll­ten die An­le­ger die In­ves­ti­ti­on oh­ne Zin­s­er­trä­ge nach En­de der Lauf­zeit zu­rück er­hal­ten.

Durch die In­sol­venz der nie­der­län­di­schen Toch­ter­ge­sell­schaft (hier die Emit­ten­tin) und der US-ame­ri­ka­ni­schen Leh­man-Bro­thers (hier die Ga­ran­tin) im Sep­tem­ber 2008 wur­den die Zer­ti­fi­ka­te na­he­zu wert­los. 

Die Klä­ger wer­fen der Be­klag­ten Spar­kas­se vor meh­re­re Auf­klär­ungspf­lich­ten ver­letzt zu ha­ben und ver­lan­gen im We­sent­li­chen die Rück­zah­lung des An­la­ge­be­tra­ges im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes.

 

E N T S C H E I D U N G E N  D E R  V O R I N S T A N Z E N: 

In 1. In­stanz hat­te das Land­ge­richt Ham­burg den Kla­gen statt­ge­ge­ben und die Ha­S­pa zur Rück­zah­lung ver­ur­teil. Auf die Be­ru­fung der Ha­S­pa wies das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg die Kla­ge in 2. In­stanz ab. 

 

E N T S C H E I D U N G  D E S  B G H:

Die Ha­S­pa ha­be in bei­den Fäl­len ih­re Pf­licht zur an­le­ger- und ob­jekt­ge­rech­ten Be­ra­tung nicht ver­letzt. Für die Ha­S­pa sei zum Zeit­punkt der An­la­ge­be­ra­tung das In­sol­venz­ri­si­ko der nie­der­län­di­schen und US-am­ri­ka­ni­schen Leh­man-Bro­thers nicht er­kenn­bar ge­we­sen, da füh­r­en­de Ra­tin­ga­gen­tu­ren Leh­man-Bro­thers da­mals mit Best­no­ten be­wer­tet hat­ten.

Auch sei­en die An­le­ger über das Ri­si­ko des To­tal­ver­lus­tes ih­rer An­la­ge bei ei­ner In­sol­venz der Leh­man-Bro­thers hin­ge­wie­sen wur­den. Nach An­sicht des BGH be­steht in ei­nem sol­chen Fall kei­ne zu­sätz­li­che Auf­klär­ungspf­licht der Ban­ken dar­über das die Zer­ti­fi­ka­te nicht ei­nem Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds un­ter­fal­len. 

Auch be­ste­he kei­ne Auf­klär­ungspf­licht der Ha­S­pa über die Ge­winn­span­ne der Bank an den ver­kauf­ten Zer­ti­fi­ka­ten, da Ban­ken nach der Recht­sp­re­chung des BGH nicht dar­über auf­klä­ren müs­sen, dass sie mit den an­ge­bo­te­nen Pro­duk­ten Ge­win­ne er­zie­len. Viel­mehr sei es für den Bank­kun­den of­fen­sicht­lich, dass die Ban­ken ein ei­ge­nes Ge­winn­in­ter­es­se ver­folg­ten. Das gel­te auch, wenn die An­la­ge­pro­duk­te wie in den vor­lie­gen­den Fäl­len über dem Ein­kauf­s­preis der Bank ver­kauft wer­de.

Qu­el­le: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 145/2011



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